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  • MEGAPHON | Evelyn Osaigbovo |
    ihrer Familie hierher und ist eng in den Kreis ihrer Verwandten und Bekannten eingebunden Evelyn steht täglich morgens und abends in der Lange Gasse und verkauft das Megaphon Die meisten Menschen sind freundlich sprechen mit ihr möchten wissen woher sie kommt Wenn Evelyn frei hat sitzt sie am liebsten auf einer Bank im Augarten und lässt die Seele baumeln Sie liest christliche Literatur und singt Gospels im Kirchenchor Evelyn ist klein scheu Einmal in Fahrt aber schwer zu bremsen Die Österreicher können so schlecht Englisch meint sie Sie wären nämlich so stolz auf ihre Sprache Zu spezialisiert Es ärgert sie wenn die Menschen nachfragen oder nichts verstehen Evelyn möchte daher so schnell wie möglich Deutsch lernen ein paar Wörter kann sie bereits und täglich werden es mehr Liegende Steine unsere Fotolocation Riesige Mur nockerln die das Kulturhauptstadtjahr 2003 an Land gespült hat Zuerst in der City danach im Augarten Angekommen Wenn Steine Wurzeln schlagen könn ten hier wäre der richtige Platz Kinder springen von Stein zu Stein erzählen von Dinosaurier Eiern Hunde verdrücken sich scheu oder selbstbewusst dahinter Wir stehen vor den Steinen hinaufzuklettern ersparen wir allen Zuseherinnen und Zusehern es wäre trotz angebotener Räuberleiter wahrscheinlich eine ziemli che Blamage

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  • MEGAPHON | Osagie Kevin |
    wie ist das noch mit der Körpersprache rein psychologisch Wohin gehen seine Blicke Er schaut in eine Vergangenheit die nicht weit weg ist für ihn nicht für uns nicht schaut in eine unsichere Zukunft Schräg nach rechts unten Ich höre auf nachzufragen Ich kann sowieso nicht aushalten was er sagt Irgendwann red nicht mehr zwischen lass den Erzählstrom wirken seine leise Stimme Das Augenweiß wird gelblich der grad noch fröhliche junge Mann sackt ab in Untiefen Sein T Shirt Grünes Camouflage ein Piraten Totenkopf mit gekreuzten Schwertern Ein junger Mann Asylant wie oft haben wir Menschen wie ihn gesehen Wir kennen solche wie ihn Er hat kürzlich einen Freund gefunden in Graz der hat ihn angesprochen ihn sogar in seine Familie mitgenommen Die sind total nett zu ihm Er liebt sie Und ein paar Worte Deutsch spricht er schon Er wollte eigentlich Ingenieur werden chemical industry mathematics interessiert ihn Aber no money Von Anfang an No money no chance Sie waren zu viele Kinder schickten ihn zu auntie mit 12 Die Tante hatte ein Baby ihrer Familie ging es besser als seiner Alles Christen Jeden Sonntag waren sie in der Kirche St Theresia St Theresia Public Church betont er als müsse jeder diese Kirche kennen Es war an einem Sonntag das Baby hatte einen Fleck an der Kleidung war er schuld oder hatte sich das Baby schmutzig gemacht ich hab s nicht mitgekriegt er sprach so schnell so leise Er wurde nachhause geschickt er sollte den Fleck herauswaschen und wiederkommen Er ging Plötzlich Riesenlärm Überall Polizei er durfte nicht durch what s happened Ein Bombenanschlag Moslems gegen Christen Überall Leichenteile Aber seine Tante das Baby Sie wurden ihm gezeigt sie zogen die Decke weg da waren sie die Tante das Baby tot Alle tot Und niemand mehr Brothers and sisters

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  • MEGAPHON | Yaa Sakyiwa Gyau |
    ein eigenes Geschäft in Graz führen Aber dafür braucht sie ein Visum und das nötige Geld Das Visum kam jetzt an einem Don nerstag Ein echter Glückstag Seit 2004 lebt Yaa in Graz Sie verließ ihr Land aus politischen Gründen und erreichte Europa mit dem Boot Ghana ist ein reiches Land aber die Bevölkerung ist arm und die Korruption allgegenwärtig Sie hat keine guten Erinnerungen Es ist unendlich traurig wenn Frauen auf einem Boot flüchten In Österreich traf sie viele Menschen die sie unter stützten Auf meine Frage wie sie die schweren Zeiten durchstehen konnte lautet ihre Antwort In meinem Gebet und Vertrauen zu Gott Yaa ist gläubig Sie betet für sich für ihre Familie für das Land Österreich Überhaupt meint sie dass die Österreicher mehr beten und die Bibel lesen sollten Yaa liest die Bibel in ihrer Muttersprache Tiw Das ist ihre Verbindung zum Heimatland Yaa führt ein äußerst bescheidenes Leben Bisher lebte sie in einem Zwei Bett Zimmer und verfügt über ein monatliches Budget von 150 Euro das sie für Essen ausgibt Und dann gibt es noch die Straßenzeitung Megaphon Ihr Arbeitsplatz ist die Straße genauer die Herrengasse Ecke Stempfergasse Dort verkauft sie Tag für Tag das Megaphon Sie kennt das Leben der Straße kennt den Rassismus Aber so wie sie es sagt ist Rassismus nicht ihr Problem Rassismus gibt es überall auch in ihrem Herkunftsland Vielmehr beklagt Yaa den Verlust der Religion und macht sich täglich ein Bild über die jungen Menschen die betrunken durch die Straßen ziehen Zigaretten und Drogen konsumieren Sie meint wenn Eltern ihren Kindern Gott nahe bringen dann lösen sich die Probleme In Schulen engagiert sich Yaa um über ihre ethische Auffassung zu sprechen und den jungen Menschen in Österreich ein Beispiel zu geben Sie kommuniziert am liebsten in Englisch diese Sprache lernte

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  • MEGAPHON | Mohammed Ibrahim Mouse |
    wird seine Miene ernster Auf Englisch gibt er mir erste Informationen über seine Person vorläufig sind es noch recht harmlose Eckdaten In dem Zimmer der Caritas das uns für das Gespräch zur Verfügung gestellt wird verdichten sich seine Worte und werden flüssiger Er spricht nun in seiner arabischen Muttersprache die mir ein Dolmetscher ins Englische übersetzt Mohammeds Dolmetscher und Zimmergenosse ist kriegsversehrt es fehlen ihm der linke Unterarm und zwei Finger an der rechten Hand Die rechte Hälfte seines Körpers sei gar nicht vorhanden sagt er sachlich und ohne jede Emotion Ich starre auf seinen schmalen Oberkörper die versehrte Seite Somalia ist eines der ärmsten Länder der Welt Im von einer Interimsregierung un geführten Land herrschen Bürgerkrieg und Anarchie Mohammeds Versehrtheit hingegen ist nicht sichtbar sie steht nur auf dem ärztlichen Befund den er aus seiner Dokumententasche zieht Sein linkes Auge ist bei einer Explosion während seiner Arbeit als Kameramann erblindet Sein rechtes Auge kann jederzeit die Sehkraft verlieren Er habe die verlorenen Kinder und Jugendlichen in Somalia gefilmt als der Sprengstoff explodierte und den Körper eines seiner Kollegen in Fetzen riss Immer wieder schrecke Mohammed auf in der Nacht und sehe seinen in Stücke gerissenen Freund Dann lasse die Panik sein Herz rasen Ohne Medikamente könne er nicht mehr schlafen Nun ist er seit drei Jahren in Österreich wo er in Mürzzuschlag lebt Hier ist Frieden Sagt er Österreich ist ein freies Land Fügt er an Und trotzdem fühle er sich zwischendurch wie im Gefängnis Weil er noch immer kein Asyl habe und seine Möglichkeiten darum extrem eingeschränkt seien Wenn er keine Megaphonmagazine verkaufe besuche er zwei Mal in der Woche einen Deutschkurs Ansonsten Er macht eine wegwerfende Handbewegung und mir fällt wieder einmal der berühmte Satz von Rilkes Panther ein Ihm ist als ob es tausend Stäbe gäbe

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  • MEGAPHON | Mit Siegern kochen und feiern |
    Siegern kochen und feiern Samuel Umar John Okeke und Joseph Didia haben die Wahl zum beliebtesten Megaphon Verkäufer des Jahres für sich entschieden Zur Preisverleihung gab es diesmal für die Sieger und einige ihrer Stammkund innen als Dankeschön für ihre Stimme ein gemeinsames Fest mit Landhaus Keller Koch Lorenz Kumpusch Megaphon Kolumnist Kumpusch lud die Gäste zum Kochen ein verriet praktische Tipps und half bei speziellen Handgriffen So entstanden Schritt

    Original URL path: http://www.auschloesslgraz.at/de/strassenmagazin/verkaeufer/182/ (2015-08-12)
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  • MEGAPHON | Die beliebtesten Megaphon-Verkäufer des Jahres 2012 |
    vor John Okeke und Joseph Didia Die Freude ist allen dreien anzusehen Ich danke Gott meinen Freund innen und Kund innen dem Team und allen anderen die mich bei meiner Arbeit unterstützen lässt der Erstplatzierte ausrichten Schon vor ein paar Jahren hat er in und um Messendorf wo er das Megaphon verkauft die meisten Stimmen bei der Wahl zum beliebtesten Verkäufer gesammelt Dass ihm das Kunststück noch einmal gelungen ist

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  • MEGAPHON | John Okeke |
    Dass wir uns aber gern als fremd Gewordene bemitleiden Als Fremder erklärt mir John sieht man ein Land besser Bis auf wenige Ausnahmen die das MEGAPHON Verkaufen nicht schätzen oder grundsätzlich gegen Afrikaner seien begegnen ihm hier freundliche Menschen Die wenigen die mich nicht hier haben wollen sagt er das sind so wenige Er zeigt mir das mit dem kleinen Finger Das ist normal wirklich Wichtig sei für ihn dass die Leute ihn nicht mit Geldspenden trösten sondern dass sie die Zeitschrift kaufen und lesen Sehr viele Exemplare kann er monatlich absetzen Ob er sich für Politik interessiere frage ich Er nickt Hier sei es gut hier herrsche Demokratie Österreich sei seine Heimat Er ist sich dessen ganz sicher Freunde zu finden eine Familie das brauche Zeit Vergessen würde er die Vergangenheit nie seinen Vater und all die anderen über die er beharrlich schweigt Sobald ich versuche näher an seine Ausreise heranzukommen an die schwierigen vier Monate bis zum Bescheid vorübergehend in Österreich bleiben zu dürfen an afrikanische Kontakte in seinem Umfeld Graz lenkt er mein Interesse rasch Richtung Zukunft denn sieben Jahre lebe er nun schon hier das allein zählt Um ein Bleiberecht für immer habe er bereits angesucht Johns Muttersprache im östlichen Teil von Nigeria ist Ibo er buchstabiert es Seine Ausbildung und sein Beruf als Apotheker werden hier nicht anerkannt In Österreich möchte John Okeke alles Mögliche angehen als Anstreicher Bauarbeiter oder Gärtner könnte er arbeiten Er ist körperlich stark Aber er muss sich langsam heranarbeiten an unsere Sprache Du lernst indem du mit den Leuten redest frage ich ihn Ja Schwierige Sprache Helfen dir die Behörden Wer hilft dir Wie rasch bei mir die Angst da ist gelinde gesagt das Misstrauen in staatliche Einrichtungen Was du gut nennst erkläre ich ihm ist für uns Sorge ob

    Original URL path: http://www.auschloesslgraz.at/de/strassenmagazin/verkaeufer/174/ (2015-08-12)
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  • MEGAPHON | Prince aus Owerri |
    den Wochenendstunden am Lendplatz Wenn die Mütter getötet werden von wütenden Moslems und die Menschen sterben und man sich kaum erinnern kann woran verlässt man sein Land nicht um wiederzukommen Wenn die Probleme groß werden und die Hoffnung klein geht man um anzukommen Wenn man keine Demütigung erfährt aber Hilfe lernt man eine stolze Demut Wenn den schlechten Zeiten gute Menschen folgen kann man herzhaft lachen Der Mann aus Owerri kommt 2001 nach Europa und verkauft drei Jahre später das MEGAPHON an den Straßenecken Graz mit blitzenden Zähnen Es ist kein Gespräch aber eine Danksagung Es ist eine Lobrede und ein eigens erfundenes Gelöbnis dem das Pathos ernst ist Prince dankt der Regierung und der Landesregierung den Helfern und der Caritas dem MEGAPHON und jenen die ihn kennen Er dankt Gunter Schelling der erst jahrelang Zeitschriften bei ihm kauft und als er kein Asyl erhält für ihn bürgt ohne ihn zuvor je kaum mehr als herzlich gegrüßt zu haben Er dankt den wildfremden Menschen auf den Straßen die ihm Zehn Euro Scheine zustecken um einen Anwalt zu bezahlen und ihm Glück wünschen Er dankt der Polizei die Acht gibt auf die Ruhe seines Verkaufsplatzes und die Sicherheit in den überhitzten Stunden Er gelobt niemals etwas Böses zu tun und im Gefängnis zu enden und er gelobt die Gesetze des Landes das so ein schönes ist zu befolgen Er gelobt eine Familie zu gründen und Gospel zu singen um die Menschen glücklich zu machen Er singt gegen die Sorgen weil er sie kennt und die brunnentiefen Falten die sie machen In seinem Leben ist man vierundzwanzig Stunden am Tag zuhause und um sein Schicksal muss man sich bemühen Prince lacht Die Vergangenheit wird nie wieder kleiner aber die Zukunft voll von Wünschen Die Staatsbürgerschaft und Arbeit fehlen aber das Englisch ist

    Original URL path: http://www.auschloesslgraz.at/de/strassenmagazin/verkaeufer/172/ (2015-08-12)
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